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Hier gibt’s Infos zu den zur Abstimmung stehenden Filme:
ELEPHANT
USA 2003, Gus Van Sant
80 Min., Farbe, FSK: 12, empfohlen ab 16 Jahre
Darsteller: Alex Frost, Eric Deulen, John Robinson, Elias McConnell, Jordan Taylor
Genre: Drama, Jugend, Politischer Film
John steht in einem kahlen Zimmer einer High School und weint, weil sein Vater wieder betrunken ist. Ein fremdes Mädchen sieht ihn und gibt ihm einen Kuss. Elias macht Porträtfotos von allen Leuten, die ihm begegnen. Ein Sportler und Schönling trifft sich mit seiner Freundin. Die schüchterne Michelle weigert sich, im Sportunterricht kurze Hosen anzuziehen, und geht ihren gestylten Mitschülerinnen aus dem Weg. Drei Mädchen gehen in die Schulkantine, nur um sich danach auf der Toilette wieder zu übergeben. Eine andere Gruppe sitzt in einem Klassenraum und diskutiert über Homosexualität und ob man sie sehen kann.
Und Alex und Eric packen ihre Sporttaschen randvoll mit Waffen und betreten das Schulgebäude.
In einer fiktiven Aneinanderreihung einzelner Episoden verarbeitet Regisseur Gus Van Sant („Good Will Hunting“) in seinem Drama den realen Amoklauf zweier Schüler in der US-Kleinstadt Littleton im Jahr 1999. Mit scheinbar endlosen Kamerafahrten folgt er seinen Protagonisten, die er durch kurze Texttafeln mit ihren Namen vorstellt, durch die kalten Gänge der Schule. Die Wege einiger Schüler kreuzen sich, und manche Begegnungen werden somit bis zu dreimal aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Es wird nicht viel geredet in diesem formal äußerst reduzierten Film. Und doch porträtiert Van Sant seine Schüler in den knappen Szenen und umreißt ihre Lebenssituation – auch wenn er letztlich einen klaren Einblick in ihre Gefühlswelt nicht zulässt und offen bleibt.
Langsam, aber unausweichlich nähert sich das Geschehen so dem kaltblütigen Massaker, dessen Inszenierung auf große Effekte vollkommen verzichtet und keinen Augenblick lang cool wirkt.
Antworten werden keine gegeben, dafür aber viele Fragen gestellt. Inwieweit die Charakterisierung der Hauptfiguren dabei nun unangemessen oberflächlich ist oder einfach nur distanziert-ehrlich, bleibt letztlich dem Zuschauer überlassen.
„Elephant“ wurde auf den Filmfestspielen in Cannes 2003 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und ist seither höchst umstritten.
DVD-Bildformat: 1:1,66¸16:9; Dolby Surround
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
DVD-Extras: Behind the Scenes, Interview mit Gus Van Sant, Trailer
MEAN CREEK
USA 2004, Jacob Aaron Estes
90 Min., Farbe, FSK: 12, empfohlen ab 14 Jahre
Darsteller: Rory Culkin, Ryan Kelley, Scott Mechlowicz, Trevor Morgan, Josh Peck, Carly Schroeder, J. W. Crawford u. a.
Genre: Abenteuer, Drama, Jugend
In der Schule wird der schmächtige Sam immer wieder von seinem wesentlich dickeren Klassenkameraden George schikaniert und verprügelt. Wie aus heiterem Himmel lässt George seine offensichtliche Wut aber auch an anderen aus. Mit geschwollenem Gesicht berichtet Sam seinem großen Bruder Rocky von seinen Problemen. Dieser findet, George verdiene endlich einen Denkzettel, und arbeitet mit seinen Freunden Clyde und Marty einen Racheplan aus. An Sams fingierter Geburtstagsfeier wollen sie George zu einem gemeinsamen Bootsausflug einladen und ihn dabei im ganz wörtlichen Sinn bloßstellen. Sams gleichaltrige Freundin Millie, hat jedoch Skrupel, zumal sie findet, dass George eigentlich ganz sympathisch sei. Gegen Martys Widerstand, der selbst unter der Fuchtel eines gewaltbereiten älteren Bruders steht, wird der Plan daher verworfen. Dennoch kommt es zwischen Marty und George zu einem Streit, bei dem George im Fluss ertrinkt. Marty verlangt nun von seinen geschockten Freunden, den Unfall zu vertuschen und so zu tun, als wäre nichts geschehen.
Das beeindruckende Spielfilmdebüt von Jacob Estes, wurde erstmals beim renommierten Sundance Film Festival ausgezeichnet. Es erzählt, wie sich aus Rachegelüsten tödlicher Ernst entwickelt. Ohne die üblichen Dramatisierungen des Hollywoodkinos, in ruhigen Bildern und mit einer subtil eingesetzten Musikuntermalung, geht der verstörende Film intensiv und ohne aufdringlichen pädagogischen Zeigefinger wichtigen Fragen nach Schuld, Sühne und Verantwortung nach. Zudem zeigt er, unter welchen Umständen sich ein moralisches Gewissen entwickelt oder außer Kraft setzen lässt. Gerade weil Ohnmachtsgefühle und Rachegedanken bei Jugendlichen weit verbreitet sind und mögliche Folgen nicht genügend bedacht werden, regt der so unbeschwert beginnende und tragisch, aber nicht hoffnungslos endende Film zum Nachdenken über Mobbing und andere Gewaltakte zwischen Jugendlichen an.
Begründung zur Aufnahme in die Empfehlungsliste Best of 2005:
„Gewalt unter Schülern“ ist ein wichtiges Thema, zu dem dieser Spielfilm Denkanstoß und Diskussionsanregungen gibt. Die Geschichte geht unter die Haut und wirft viele Fragen auf, an denen eigenes Verhalten reflektiert werden kann.“
KICK IT LIKE BECKHAM
Großbritannien/USA/Deutschland 2002, Gurinder Chadha
108 Min., Farbe, FSK: 6, empfohlen ab 14 Jahre
Darsteller: Parminder Nagra, Keira Knightley, Jonathan Rhys-Meyers, Anupam Kher, Archie Panjabi, Shaznay Lewis, Frank Harper, Juliet Stevenson
Genre: Komödie, Jugend, Drama
Die 18-jährige Jess hat einen Traum: Sie will Fußball spielen. Einmal, nur einmal an der Seite von ihrem großen Idol David Beckham auf dem grünen Rasen auflaufen! Doch Jess stammt aus einer traditionsbewussten indischen Familie, die derlei Mätzchen niemals dulden würde. Ihre Eltern haben einen klaren Lebensplan für ihre Tochter: heiraten und Jura studieren. Doch die selbstbewusste Jess setzt sich für ihre eigenen Wünsche ein. Heimlich trifft sie sich mit ihren Freunden zum Fußballspielen im Park und zeigt den Jungs galant, dass Frauen mit dem runden Leder ebenso gekonnt umzugehen wissen wie das vermeintlich stärkere Geschlecht. Die gleichaltrige Jules ist von Jess’ Ballkünsten beeindruckt und lädt sie zum Training in ihren Fußballclub ein. Die neuen Freundinnen sind schnell die Stars der Mädchenmannschaft, werden aber zu Konkurrentinnen, weil sie beide ein Auge auf den jungen Trainer geworfen haben. Ein zweiter Schlag trifft Jess kurz darauf: Ihre Familie entdeckt die heimlichen Ausflüge und nun beginnt für die Kickerin eine Zeit als brave Tochter. Doch die Chance auf ein amerikanisches College-Stipendium lässt Jess keine Ruhe. Nahezu in letzter Minute überzeugt sie ihre Familie von der einmaligen Gelegenheit, ihren Lieblingssport mit einem Studium zu verbinden - und erhält den Familiensegen.
Die bei Publikum und Presse überaus erfolgreiche Filmkomödie war 2002 für den Europäischen Filmpreis nominiert, bekam den Publikumspreis beim Internationalen Filmfestival in Locarno und gewann den British Comedy Award. 2003 wurde sie von der Jury des Deutschen Jugendvideopreis mit einer “lobenden Erwähnung” bedacht ( Mehr Infos dazu gibt es unter www.jugendvideopreis.de/preisträger). “Kick it like Beckham” ist ein Multi-Kulti-Film im allerbesten Sinne, der die verschiedenen Kulturen in ihren Eigenheiten sehr ernst nimmt, immer aber auch mit einem Augenzwinkern über den Tellerrand blickt. Hinreißend etwa die Szene, wenn all die alten indischen Frauen, die sich in traditioneller Kleidung zur Hochzeitsvorbereitung von Jess’ Schwester getroffen haben, auf ein Handy-Klingeln gleichzeitig suchend in ihre Handtaschen greifen.
Subtil unaufdringlich, mit Witz und Detailfreude hebelt der Film immer wieder Vorurteile und Klischees aus und vermittelt Stärke, Mut und Lebensfreude. Ein intelligenter Gute-Laune-Film.
Fotos vom Cafébetrieb:
Manchmal steht jemand Kopf …
…manchmal schaut die Kopfarbeit anders aus:
… und manchmal will man einfach nur chillen.
Der Fruchtsaft-Test:



















